Mai

Sag den Wölfen, ich bin zu Hause

Die 14-jährige June Elbus lebt mit ihren Eltern und ihrer älteren Schwester Greta in der Nähe von New York. Seit Beginn der 80er Jahre verängstigt eine ansteckende Krankheit, über die man so gut wie nichts weiß, die Menschen Sag den Wölfen, ich bin zu Hause zutiefst. Auch Junes Onkel Finn, ein berühmter Maler, wird ein Opfer des AIDS-Virus, was die Familie nicht nur traurig, sondern auch peinlich berührt zurücklässt, weil plötzlich seine Homosexualität zum öffentlichen Gesprächsthema wird. Die Konsequenz ist Schweigen, obwohl June sich verzweifelt nach jemandem sehnt, mit dem sie ihre Trauer um den geliebten Onkel teilen kann. Heimlich nimmt sie Kontakt zu Finns Lebensgefährten Toby auf, den ihre Mutter als "Mörder" bezeichnet und der in der Familie unerwünscht ist. Die beiden kommen sich in vielen Gesprächen und gemeinsamen Unternehmungen sehr nahe und können einander aus der Traurigkeit helfen. - Die Autorin hat sich eine höchst emotionale "Coming-of-Age" Geschichte ausgedacht, die vor allem durch die Charakterisierung der klugen und doch in vielen Belangen so naiv wirkenden June mit dem komplizierten Verhältnis zu ihrer unnahbaren, oft unverständlich abweisenden Schwester überzeugt. Obwohl ein Familiengeheimnis gelüftet wird, lebt der Roman weniger von dramatischen Handlungssträngen als vielmehr von den aussagekräftigen Bildern, die Brunt mit ihren Worten zeichnet. Die Stimmung und das Lebensgefühl der 80er Jahre hat sie perfekt eingefangen, für die adäquate Übersetzung gebührt auch Frauke Brodd höchstes Lob. Ein Roman über Verlust und Trauer, den Trost von Freundschaft und Familienzusammenhalt - für Leser/innen in allen Büchereien.

Susanne Steufmehl

Susanne Steufmehl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Sag den Wölfen, ich bin zu Hause

Sag den Wölfen, ich bin zu Hause

Carol Rifka Brunt
Eisele (2018)

445 S.
fest geb.

MedienNr.: 878257
ISBN 978-3-96161-007-5
9783961610075
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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