Ein Büro im Schloss und ein ameisenstarker Held

Dänische Kinder- und Jugendbuchautoren zu Gast in Kölner KÖBs

Dank dieser Veranstaltungswochen ist es möglich auch weitgereiste Bestsellerautoren in der Schule oder in der KÖB zu empfangen. Was die "Welt unter Wasser" und der "Antboy" damit zu tuen haben, lesen Sie in diesem Bericht. Viel Vergnügen bei der Lektüre und schreiben Sie uns, wie es Ihnen gefallen hat. Ihre Ulrike Fink, Redaktion

von Julia Süßbrich
23. Juni 2015

Vom 9. bis 24. Mai fanden in Köln die Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen 2015 – Dänemark statt. Acht bekannte Autorinnen und Autoren der dänischen Kinder- und Jugendliteratur begegneten in zweisprachigen Lesungen Kölner Schulklassen – in Schulen, in einigen Stadtteilbibliotheken der Stadt Bibliothek und in Katholischen Öffentlichen Büchereien. Sie gewährten spannende Einblicke in ihre Werke und ihren Berufsalltag.

Ida-Marie Rendtorff zum Beispiel, deren Dystopie „Welt unter Wasser“ in Deutschland erst im nächsten Frühjahr erscheinen wird, zeigte in ihren Lesungen ein Foto vom Schloss Kronborg, in dem Shakespeare seinen Hamlet spielen ließ: Darin hat sie ihr Büro. Kein Wunder, dass sie Die Autorin Ida-Marie Rendtorff (im dunklen Oberteil) und links ihre Dolmetscherin Verena Krautwald dort viel Inspiration für spannende Bücher findet! Sie hatte nicht nur die dänischen Ausgaben ihrer Bücher dabei, sondern konnte den Schülern auch zeigen, wie die norwegische Ausgabe von „Welt unter Wasser“ aussieht – denn bei Übersetzungen wird oft die Optik des Buches anders gestaltet. Wie die deutsche Version aussehen wird, darauf können die jungen Leser nun gespannt sein. Vom Inhalt las und erzählte die Autorin gerade so viel, dass ihre Zuhörer sich in die erfundene Welt einfühlen konnten und ihre Neugier geweckt wurde. Nun heißt es: gespannt und geduldig warten auf den Erscheinungstermin.

Udo Walz, Pauline Kuhn und Annette Tilmans, seit Jahren als Ehrenamtliche engagiert in der KÖB St. Nikolaus und Karl Borromäus in Köln-Sülz, sind begeistert vom Dialog zwischen der Autorin und ihrem Publikum. Mit viel Energie und Begeisterung erzählte Ida-Marie Rendtorff von ihrem Werdegang, ihren Recherchen und dem Schreiben und beantwortete die Fragen aus dem Publikum. Sie fragte aber auch selbst, wollte wissen, was die Kinder gerne lesen und ob ihnen das dänische oder das norwegische Buchcover besser gefalle. Pauline Kuhn, die schon mehrere Lesungen im Rahmen der jährlich stattfindenden Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen miterlebt hat, freut sich: „Ich fand es heute am lebhaftesten, am interessantesten, dynamisch in diesem Dialog der Autorin mit der Dolmetscherin und dem Publikum“. Für sie ist das Reizvollste an der Veranstaltungsreihe, „immer wieder neue Autoren zu hören und aus den verschiedenen Ländern etwas zu erfahren“.

Udo Walz erinnert sich nicht nur selbst an viele Lesungen aus den fast zwanzig Jahren, die es die Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen nun gibt, sondern er wird auch immer noch von Jugendlichen und jungen Erwachsenen darauf angesprochen. Ihm ist wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen auf das Angebot der Bibliothek aufmerksam werden und vor allem Spaß am Lesen finden, auch wenn Smartphones und Tablets attraktiver sind: „Es ist eine Kulturtechnik und die wird im Internet nicht ersetzt, sondern ist dort besonders wichtig.“ Deshalb hat die KÖB auch viele andere Leseförderungsangebote im Programm und schon öfter mit anderen Bibliotheken zusammengearbeitet. Aber eine Lesung mit einer aus dem Ausland angereisten Autorin und einer Dolmetscherin könnte sie aus ihren eigenen Mitteln nicht anbieten. „Und da ist diese Veranstaltung einfach toll.“

 

Zusammenarbeit zwischen starken Organisationen


Für die Veranstaltungsreihe, die nächstes Jahr ihr zwanzigjähriges Bestehen feiert, legen fünf Organisationen ihre Mittel und Möglichkeiten zusammen, um jedes Jahr etwa acht bis zwölf Autor/innen und Illustrator/innen aus einem anderen Land nach Köln einzuladen und zusätzlich eine Ausstellung mit Illustrationen, ein Kinderliteraturfilmprogramm und oft auch ein Theaterstück zu zeigen. Die SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn übernimmt dabei den Hauptteil der Organisation und Finanzierung, unterstützt durch das Kulturamt der Stadt Köln. Die Stadt Bibliothek Köln und das Erzbistum Köln mit der Fachstelle für Katholische Öffentliche Büchereien bringen sich nicht nur in der Planungsphase ein, sondern fungieren auch als Gastgeber eines großen Teils der Lesungen: Viele der Schulklassen erleben die Autoren und Illustratoren in den Bibliotheken in ihrem Stadtbezirk, entweder in der jeweiligen Stadtteilbibliothek oder in einer KÖB. Das jfc medienzentrum zeigt jedes Jahr ein passendes Filmprogramm mit Verfilmungen von Kinder- und Jugendliteratur aus dem Gastland.

Mit etwas Glück kommt das Publikum auch in den Genuss einer Autorenlesung, bei der die passenden Filmtrailer zum Buch gezeigt werden – so geschehen in der KÖB St. Anna in Köln-Neuehrenfeld. Kenneth Bøgh Andersen las dort aus seinem witzigen und spannenden Roman „Antboy“ auf Dänisch vor und hatte anschließend sichtbar Spaß daran, dem Publikum dabei zuzusehen, wie es der Dolmetscherin beim Vorlesen der deutschen Übersetzung lauschte. Dann zeigte er den Trailer zur Verfilmung, erzählte einiges zu den Unterschieden zwischen Buch und Film und verriet, dass ab Ende Juni schon der zweite Antboy-Film in den deutschen Kinos läuft. KÖB-Leiterin Ulrike Heinen genoss es, den Kindern sagen zu können, dass sowohl das Buch als auch der erste Film in der KÖB zur Ausleihe bereitstehen.

Ob durch die Lesungen während der Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen mehr Kinder und Jugendliche zu regelmäßigen Besuchern der Bibliotheken in ihrem Stadtviertel werden, lässt sich nicht präzise beurteilen. Aber die Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen bieten Thomas Pelzer von www.kinderbuchkino.de eine gute Gelegenheit, Schülerinnen und Schüler der umliegenden Schulen auf sich aufmerksam zu machen – auch mit einer neuen Programmvariante: Ruth Maus hat in der KÖB St. Albertus Magnus in Köln-Lindenthal, die sie leitet, schon viele Autorenlesungen zusammen mit Klassen einer nahe gelegenen Grundschule erlebt.

Dieses Jahr ergab es sich nun, dass der Schauspieler Thomas Pelzer mit seinem KinderBuchKino und der Übersetzerin Ilona Hoppe eine besondere Lesung für Erst- und Zweitklässler bot: Mit Diaschau und Geräuschuntermalung lasen er und die Übersetzerin abwechselnd auf Deutsch und auf Dänisch „Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne“ von Jakob Martin Strid vor, nachdem er mit wenigen Bildern und Worten zunächst geklärt hatte, wo Dänemark liegt und wie der Autor aussieht. „Für die jüngeren Schüler ist das durch die Bilder und Geräusche noch ansprechender als die Autorenlesungen“, stellt die Leiterin der KÖB anschließend erfreut fest. Ob Lesung oder KinderBuchKino, auch nächstes Jahr werden sich wieder einige Kölner KÖB an den Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen beteiligen. Dann werden, wie im ersten Jahr, wieder die Niederlande zu Gast sein.

Interview mit Elke Wachner
Fachstelle für Katholische Öffentliche Büchereien beim Erzbistum Köln


Welche Aufgabe haben Sie innerhalb der Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen?

Ich nehme an den Besprechungen und Vorbereitungen teil, in denen wir als Veranstalter gemeinsam alles Organisatorische entscheiden. Außerdem kläre ich im Vorfeld der Veranstaltung mit den einzelnen KÖB ab, an welchen Tagen und für welche Altersgruppe die Lesungen angeboten werden können. Da die meisten KÖB mehr und intensivere Kontakte zu Grundschulen als zu weiterführenden Schulen haben, ist die Nachfrage nach Lesungen für das Grundschulalter besonders hoch. Ich achte darauf, die Autoren so zuzuteilen, dass sie zu der jeweiligen KÖB und ihrem Publikum gut passen. Dazu lese ich möglichst viele Bücher unserer Gäste, außerdem hilft mir das Vorbereitungsseminar einige Wochen vor Beginn der Lesungen, bei dem die Autoren und ihre Werke vorgestellt werden. Viele Ehrenamtliche aus den KÖB und Lehrer nehmen selbst auch an dieser Veranstaltung teil, sodass sie konkrete Wünsche äußern können, die ich, wenn möglich, gerne berücksichtige.

Wird von den einzelnen KÖB erwartet, dass sie die Bücher der Gast-Autoren zur Ausleihe bereithalten?

Es ist sehr schön zu beobachten, dass die KÖB sich immer von sich aus darum kümmern. In der Regel halten sie sowohl Bücher zum Gastland als auch – wenn es Übersetzungen des eingeladenen Autors auf dem deutschen Markt gibt – die Bücher des Gastes zur Ausleihe bereit. Es ist tatsächlich so, dass oft Kinder gleich am Nachmittag nach der Lesung in die KÖB kommen und nach dem Buch fragen.

Was müssen die KÖB darüber hinaus für die Lesung tun?

Die Grunderwartung ist, dass sie die Stühle, den Tisch, ein Getränk hinstellen, eventuell auch eine kleine technische Ausstattung wie ein Mikrofon oder eine Leinwand und einen Beamer. Ob sich zusätzlich eine mit der Lesung zusammenhängende Aktion entwickelt, sei es in der Vorbereitung gemeinsam mit der eingeladenen Schule oder als Programmpunkt während der Lesung, hängt von den einzelnen KÖB und Schulen ab. Es haben schon viele Schulklassen vorab Plakate gestaltet oder Geschenke für die Autoren gebastelt.

Von den gut 50 KÖB in Köln empfangen nur etwa neun regelmäßig einen Autor während der Kinder- und Jugendbuchwochen, einige weitere sind von Zeit zu Zeit dabei. Warum ist das so und was müsste eine interessierte KÖB tun, um zukünftig teilzunehmen?

Es kommt für die Vergabe einer Lesung darauf an, ob die jeweilige KÖB einen passenden Raum hat oder nutzen kann und ob sie Kontakte zu umliegenden Schulen pflegt, sodass sie eine Schule ansprechen und von dort eine Klasse oder zwei einladen kann. Dann hängt es davon ab, ob die Lehrer es einrichten möchten und können, mit ihren Schülern an der Lesung teilzunehmen. Es ist schon vorgekommen, dass Schulen, nachdem sie in der KÖB eine Lesung erlebt hatten, sich selbst um eine Lesung beworben haben. Ich spreche jedes Jahr gezielt einige KÖB an, die nicht zum „harten Kern“ der Buchwochen gehören, freue mich aber auch, wenn ich gefragt werde. Es ist durchaus noch möglich, bei Interesse mehr Kölner KÖB als bisher mit Lesungen zu versorgen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Julia Süßbrich
23. Juni 2015

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Die Autorin kurz vorgestellt

Julia Süßbrich
Sie hat bereits in früheren Jahren bei den Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen gedolmetscht und für die Fachmedien darüber berichtet. Seit einiger Zeit wirkt sie bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit.

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der SK Stiftung Kultur

zum Interview mit der Autorin Ida-Marie Rendtorff

von Thomas Pelzer mit dem KinderBuchKino