Deutscher Buchpreis 2015

Eine einzigartige Mischung aus Wahn und Witz

Frank Witzel erhält für seinen Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969” den Deutschen Buchpreis 2015. Die Auszeichnung wurde am 12. Oktober vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels verliehen.

„Frank Witzels Werk ist ein im besten Sinne maßloses Romankonstrukt”, lobt die Jury in ihrer Begründung. Eingewoben in die Geschichte eines 13-jährigen Jungen aus der hessischen Provinz erzähle Witzel vom politischen Erwachen der alten Bundesrepublik. Diese Ära des Umbruchs werde durch eine Fülle verschiedener Episoden heraufbeschworen, „ die unterschiedlichste literarische Formen durchspielen, vom inneren Monolog über die Action-Szene oder das Gesprächsprotokoll bis zum philosophischen Traktat”, so die Jury weiter. Witzel habe „ein genialisches Sprachkunstwerk” verfasst,  „das ein großer Steinbruch ist, ein hybrides Kompendium aus Pop, Politik und Paranoia.”

Der Preisträger erhält ein Preisgeld von 25.000 €, die fünf auf der Shortlist platzierten jeweils 2.500 €. Gefördert wird der Preis durch die Deutsche Bank Stiftung, wie in der Börsenverein des deutschen Buchhandels in einer Presseerklärung mitteilt.


Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

Rezension

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Der Titel sagt schon viel: Ein manisch-depressiver Teenager erzählt von seiner Kindheit im (...)


Die Shortlist

Die Jury des Deutschen Buchpreises gab am 16. September die Titel der Shortlist bekannt. „Die sechs von uns ausgewählten Romane sind bilanzierende Rückschau und kritische Bestandsaufnahme zugleich, die unserer Gegenwart noch im Gewand der Historie – seien das die Kulissen des elisabethanischen Zeitalters, seien das die zwölf Apostel – einen erhellenden Spiegel vorhalten. Dies gelingt ihnen in je eigener Weise mit sprachlicher Verve ebenso wie mit formaler Finesse", sagte Jurysprecherin Claudia Kramatschek und lobte das Vertrauen der Autoren in die Kraft der Fiktion.

Einige Feuilletons sind fassungslos, dass Clemens J. Setz' Roman „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre” nicht zu den Shortlist-Titeln gehört. Der Deutsche Buchpreis sei „schlicht bedeutungslos” geworden, schreibt Richard Kämmerlings in der Welt, weil die Jury den „herausragenden Charakter” des Buches nicht erkannt habe.

Aus den sechs Titeln der Shortlist wählt die Jury den Preisträger/die Preisträgerin aus, der am 12. Oktober - als Auftakt zur Frankfurter Buchmesse - bekannt gegeben wird.

Die Titel der Shortlist

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