Drei Tage Frankfurt

Vielfalt - Tradition - Preisverleihung

Vom 14. bis zum 18. Oktober fand die Frankfurter Buchmesse mit dem Ehrengast Indonesien statt. Die Fachjournalistin Antje Ehmann war für den Borromäusverein vor Ort und schildert ihre Eindrücke aus dem Kinderbuchbereich. Doch lesen Sie selbst:

Kaum betritt man das Messegelände und steht vor dem Lesezelt, das vor allem am Wochenende viele interessante Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene bietet, fällt der Blick auf ein Kinoplakat: "Tschick" von Wolfgang Herrndorf wird 2016 in die Kinos kommen, Regie führt Fatih Akim. Eine vielversprechende Neuigkeit über die ich nachdenke, während mich mein Weg vom Lesezelt in die Halle 3 führt - der Halle, in der ein Großteil der Kinder- und Jugendbuchverlage einen Stand hat. Außerdem dort zu finden: das Kinderbuch-Zentrum. Ein Ort, an dem an den fünf Messetagen zahlreiche Lesungen, Preisverleihungen und Podiumsdiskussionen rund um aktuelle Kinderliteratur stattfinden.

Vielfältige Bücherwelt


Doch mein erster Termin führt mich zu Gerstenberg und das Frühjahrsprogramm überzeugt. Illustriert von Annemarie van Haeringen und geschrieben von Toon Tellegen erscheint "Ein Garten für den Wal". Daniel Napp lässt Kinder in "Das schlaue Buch vom Büchermachen" hinter die Kulissen des Kinderbuchbetriebs blicken und im neuen Bilderbuch der isländischen Illustratorin Brigitta Sif "Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen" dreht sich alles um diese faszinierenden Tiere.

Ein anderes Tier steht im Zentrum des Bilderbuches, das mit der "Serafina 2015 Nachwuchspreis Illustration" ausgezeichnet wurde. Nele Brönner erzählt in "Affenfalle", das im Wiener Luftschacht Verlag erschienen ist, die spannende Geschichte eines durstigen Fuchses, der in der Wüste ein Wasserloch sucht. Seit 2009 würdigt die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. in Volkach deutschsprachige Nachwuchskünstler und die Berliner Künstlerin freut sich sichtlich über die mit 2500 Euro dotierten Anerkennung.

Um eine internationale Empfehlungsliste handelt es sich bei dem Katalog "The White Ravens 2015" herausgegeben von der Internationalen Jugendbibliothek München. Darin zu finden sind insgesamt 200 empfehlenswerte Kinder- und Jugendbücher aus 55 Ländern - darunter Freya Blackwood  "Zuhause kann überall sein" (auch empfohlen in der Broschüre des Borromäusvereins zum Bundesweiten Vorlesetag), Richard Byrne "Hilfe, dieses Buch hat meinen Hund gefressen" und Jon Klassen "Sam und Dave graben ein Loch".


Bilderbuch kontra Erzähltradition


Eine willkommene Horizonterweiterung diese Präsentation und Anlass, gleich einmal zu schauen, was der Ehrengast Indonesien sich in Punkto Kinderbuch hat einfallen lassen. Im Forum, Ebene 1 über der ARD-Bühne ist der Ort, an dem man sich als Messebesucher entspannen kann und direkt eintaucht in die sinnliche, entspannte und inspirierende Atmosphäre dieses besonders gestalteten Raumes. Große Lampions, gedämpftes Licht, Kaffee und Gewürze und in einem Kreis auf Hüfthöhe ein interessantes Angebot an indonesischen Bilderbüchern. Aber gerade im Land der "17.000 Inseln der Imagination" spielt die Erzähltradition eine weitaus größere Rolle als hierzulande. Das spiegelt sich nicht zuletzt an der diesjährigen Auswahl für den ALMA 2016 (Astrid Lindgren Memorial Award) - für Indonesien ist mit Murti Bunanta / Kelompok Pencinta Bacaan Anak eine Organisation nominiert, die sich in diesem Bereich engagiert.

Was wäre ein Besuch auf der Frankfurter Buchmesse, ohne den ein oder anderen Autoren live zu erleben? Salah Naoura liest aus "Chris, der größte Retter aller Zeiten", Benjamin Lacombe kann ich beim Zeichnen einer Figur aus "Madame Butterfly" über die Schulter schauen und Nina Weger liest am Stand der Oetinger Verlagsgruppe aus "Trick 347 oder Der mutigste Junge der Welt". Dort entdecke ich auch Torben Kuhlmann bei einem Interview oder Axel Scheffler beim geduldigen Signieren am Beltz&Gelberg Stand.


Preisverleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises


Nach drei Tagen auf der Messe gehe ich ins Congress Center zur größten Veranstaltung. Wie in jedem Jahr findet dort die Preisverleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises mit über 1.500 Gästen aus dem In- und Ausland statt. David Wiesner gewinnt mit "Herr Schnuffels" (Aladin), Pam Munoz Ryan und Peter Sis mit "Der Träumer" (Aladin). In der Sparte Jugendbuch überzeugt Susan Kreller mit "Schneeriese" (Carlsen) und im Sachbuch begeistert Christina Röckl die neunköpfige Kritikerjury mit "Und dann platzt der Kopf" (Kunstanstifter). Die Jugendjury entscheidet sich für David Levithan "Letztendlich sind wir dem Universum egal" (Fischer FJB) und den Sonderpreis Illustration bekommt verdientermaßen Sabine Friedrichson. Der Juryvorsitzende der Sonderpreisjury Andreas Platthaus setzt mit seinem Interview mit der großartigen Hamburger Künstlerin anhand von einigen ihrer Illustrationen Maßstäbe auf der Bühne. So klug, kompetent und kurzweilig wünscht man sich jedes Gespräch mit den rundum glücklichen Preisträgerinnen des Deutschen Jugendliteraturpreises!

Dann bis zum nächsten Jahr vom 19. bis zum 23. Oktober 2016 mit dem vielversprechenden Ehrengast Niederlande und Flandern mit dem künstlerischen Intendanten Bart Moeyaert.

Antje Ehmann
28. Oktober 2015
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