Pfannkuchentorte für Sven Nordqvist

Ein Interview mit dem Illustrator und Schöpfer von Pettersson und Findus

Die Geschichten vom alten Pettersson und seinem kleinen Kater Findus kennt fast jedes Kind. Seitdem Sven Nordqvist 1983 den ersten Preis bei einem Kinderbuchwettbewerb gewonnen hat, arbeitet er erfolgreich für Kinder. 2003 hat er den Astrid-Lindgren-Preis für sein Gesamtwerk erhalten. Seine Bilderbücher sind Bestseller und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Der studierte Architekt wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch! Ein guter Anlass, ihm ein paar Fragen zu seinem Werdegang, seinen Erfahrungen mit Kindern und dem Künstlerdasein zu stellen.

Das Interview führte Antje Ehmann

Antje Ehmann: Sie arbeiten seit mehr als 30 Jahren für Kinder. Was mögen Sie besonders an diesem Publikum?

Sven Nordqvist: In erster Linie mag ich, dass die meisten Kinder sehr offen sind, sie spielen gerne und sind in der Regel neugierig.

Welche Reaktionen bekommen Sie von Kindern?
Schwedische Kinder schicken mir vor allem Post, die in ihrer Klasse entstanden ist. Das sind zum Beispiel Zeichnungen oder eigene, kleine Bücher mit Findusgeschichten. Aus Deutschland bekomme ich eher Briefe von einzelnen Kindern. Sie schreiben mir, dass sie meine Bücher sehr mögen. Da werde ich dann aber auch gefragt, wie ich es schaffe, so gut zu zeichnen oder ob ich auch mit einem Kater zusammen lebe.

Als Kind wollte er Bauer werden, aber schon als Teenager träumte er nur noch vom Zeichnen ...

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Was mögen Ihrer Meinung nach Kinder am meisten an Ihren Geschichten mit Pettersson und Findus?
Viele Erwachsene vermuten, sie mögen vor allem die vielen Details und die Mucklas. Ich glaube aber vielmehr, dass Kinder sich sehr gut mit Findus identifizieren können und sie die Vorstellung einfach wunderbar finden, sicher und geborgen mit einem Erwachsenen zusammen zu leben, der sie mag, der ihnen vertraut und all die Aufmerksamkeit schenkt, die man sich als Kind wünscht.

Erinnern In diesem Buch führt uns der Meister selbst durch sein Werk. Er erzählt, kommentiert und gibt seinen Lesern so einen ganz persönlichen Einblick in sein Schaffen. Sie sich noch an die ersten Skizzen von den beiden Hauptfiguren?
Ja, ich habe sie noch bei mir zu Hause. Ich fange immer erst mit Skizzen an. Diese beiden Figuren haben sich im Laufe der Jahre auch nicht wesentlich verändert. Die Hosen von Findus sind etwas weiter geworden, Petterssons Bart ist ein wenig grauer und das Haus habe ich etwas genauer gezeichnet. Auf der Textebene ist Findus nach und nach stärker zu einem Kind geworden.

Was fasziniert sie an der Figur des Eigenbrötlers Pettersson?
Ich fühle mich selber wie das Alter Ego dieses Mannes. Auch ich mag es sehr, für mich alleine zu sein. Normalerweise mag ich es nicht, viel zu reden oder anderen Menschen lange zuzuhören.

Welche Rolle spielen Bilderbücher in schwedischen Kindertagesstätten und wie würden Sie gerne vorlesen?
So weit ich das überblicke, sind Bilderbücher dort sehr wichtig und ein Teil des Kindergartenalltags. Wenn ich vorlese, sollten die Kinder es wirklich mögen, der Geschichte zuzuhören und die Illustrationen gerne betrachten.

Als Kind hat ihre Mutter beizeiten erkannt, dass sie ein besonderes Talent besitzen. Wie wichtig war das für Ihr Leben?
Sie ermutigte mich und gab mir zu verstehen, dass ich gut zeichnen konnte. Das war von großer Bedeutung für mich. Ab diesem Zeitpunkt wollte ich gut zeichnen, auch um ihr damit zu gefallen. Ich bin davon überzeugt, dass dies die beste Art für mich war, unterstützt zu werden.  Allgemein gesehen ist es sehr wichtig, Kinder zu ermutigen und in ihren Talenten zu bestärken.

Wie haben Sie dann im Laufe der Jahre Ihren unverkennbaren Zeichenstil entwickelt?
Einen sehr großen Einfluss hatten die MAD Hefte für mich, als ich im Teenageralter gezielter mit dem Zeichnen begann. Ich habe ja nie eine Kunsthochschule besucht. Aber mein Wunschziel, ein versierter Illustrator zu werden, war sehr stark vorhanden. Da ich immer zuerst eine Skizze machen muss, bevor ich das fertige Bild zeichne, eignet sich die Kombination von Bleistift und Tinte mit Wasserfarben hervorragend für mich.

Wie hat der weltweite Erfolg der "Findus und Pettersson" Bücher ihre künstlerische Arbeit beeinflusst?
Vielleicht hätte ich noch ein paar andere Zeichentechniken ausprobiert und hätte mich weniger stark veranlasst gefühlt, so viele Bilderbücher in dieser Technik zu malen. Auch "Mama Muh" ist ja so gezeichnet. Aber in "Eine Bilderreise" zeige ich, welche anderen Genres ich noch ausprobiert habe.

Unter welchen Bedingungen können Sie am besten arbeiten?
Konzentration ist am Allerwichtigsten. Das bedeutet für mich: ich bin ungestört von E-Mails, Interviews, Vertragssachen, Besuchen und normalen Alltagsdingen.

Welches Ihrer vielen Bilderbücher mögen Sie am allermeisten und was bedeuten Ihnen Humor und Fantasie?
"Wo ist meine Schwester?" bedeutet mir am meisten und es macht einfach viel mehr Spaß ein Bild mit Fantasie und Humor zu zeichnen als ohne. Ich nehme an, auch den Betrachtern macht es so mehr Spaß.

Dieses Bilderbuch hat den renommierten schwedischen Augustpreis erhalten. Welche Bedeutung haben all die Preise, die Sie bisher bekommen haben?
Sie ermutigen mich und zeigen mir, dass es Menschen gibt, die meine Bücher mögen. Ich brauche das Lob der Kinder, aber auch diese Art der Anerkennung von Kollegen und Fachleuten aus dem Bereich der Kinderliteratur.

Hätten Sie rückblickend anders gezeichnet, wenn Sie damals schon gewusst hätten, welche zusätzlichen Möglichkeiten Apps und E-books heutzutage bieten?
Nein, das glaube ich nicht. Ich zeichne so, wie es am besten zu mir passt. Ich persönlich finde es schwerer, am Computer zu arbeiten. Was die E-books betrifft hoffe ich sehr, dass es - solange ich lebe - gedruckte Bilderbücher gibt. Um die Apps können sich gerne andere Menschen kümmern.

Gibt es ein Ziel, das Sie mit Ihren Bilderbüchern verfolgen?
Nein, ein besonderes Ziel habe ich nicht. Ich mache vor allem Bilderbücher, weil ich das sehr mag und weil ich das gut kann. Ich hoffe, den Kindern gefallen meine Bücher auch. Aber vor allem hoffe ich, dass Eltern und Erzieher meine Bilderbücher so sehr schätzen, dass sie es einfach mögen, Kindern daraus vorzulesen!

Vielen Dank für das Interview!

Antje Ehmann
April 2016
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