Unser Patron

Wie kam der Borromäusverein zu seinem Patron?

 

Man muss schon tief in die Gründungsgeschichte des Borromäusvereins eintauchen, um diese Frage beantworten zu können. Der Gründer und erste Vorsitzende des Vereins, Freiherr Max von Loë, im Hauptberuf von 1838 bis 1846 Landrat des Siegkreises, hatte im September 1843 auf dem rheinischen Provinziallandtag den Antrag gestellt, die Schwestern vom hl. Karl Borromäus vom Mutterhaus des Ordens in Nancy „als Pflegerinnen für die Irren in Siegburg” ins Rheinland zu holen. Dazu wollte er einen entsprechenden Verein der „Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus in der Rheinprovinz” gründen. Alle entsprechenden Anstrengungen wurden aber von den politisch Zuständigen abgelehnt. Der Hintergrund: Gerade im Rheinland wurden von der preußischen Bürokratie viele Anstrengungen engagierter Katholiken, durch Vereinsgründungen zur Erstarkung des religiösen Lebens und des Gemeinwohls beizutragen, erschwert oder verhindert.

Max von Loë und seine Mitstreiter ließen jedoch nicht locker und entwickelten in den Folgejahren weitere Ideen, wie sie als Laien für die katholische Sache tätig werden könnten. Die entscheidende Kehrtwendung kam wohl durch den auch schriftstellerisch ambitionierten August Reichensperger. Statue des hl. Karl Borromäus im Borromäushaus, Bonn Er brachte den Vorschlag ins Gespräch, entsprechend den ungenügenden Verhältnissen, im Bereich der Presse und bei der Versorgung mit empfehlenswerten Lesestoffen tätig zu werden. Eine konstituierende Versammlung des Vereins vom hl. Karl Borromäus fand am 20. März 1844 statt. Im § 1 der Satzung heißt es: „Der Zweck des Vereins ist die Belebung christlicher Gesinnung und Anregung zu einer derselben entsprechenden Werktätigkeit.” Und in den weiteren Ausführungen wird die besondere Zuwendung zur Literatur festgelegt. Die „landesherrliche Bestätigung” erfolgte am 22. März 1845.

Wir fragen uns heute: Was hat der hl. Karl Borromäus mit unserem auf die Büchereiarbeit ausgerichteten Verein zu tun? Oder noch einfacher: Wie kam der hl. Karl Borromäus zu den Büchern? Die Gründungsakten geben darüber keine besonderen Auskünfte mehr. Man kann wohl annehmen, dass er als Patron von der ursprünglichen krankenpflegerischen Vereinsidee „übernommen” wurde. Denn neben der Tatsache, dass er zu seiner Zeit als Reformbischof galt, ist von ihm verbürgt, dass er sich während einer Pestepidemie in seiner Bischofsstadt Mailand 1576/1577 monatelang persönlich um Kranke und Sterbende kümmerte. Demzufolge ist sein Patronat für die Borromäerinnen, einen krankenpflegenden Orden, verständlich. Seine in der Folge des Trienter Konzils durchgeführten Verbesserungen gerade im Bildungswesen fanden in der Gründung mehrerer Priesterseminare in Mailand und seiner Umgebung ihren Niederschlag. Eine Erneuerung der Seelsorge war nur durch einen gut ausgebildeten Klerus zu erreichen! Von seinen Visitationsreisen wird überliefert, dass er Bibliotheken in Priesterseminaren sowohl entrümpelte als auch neu einrichtete. Zu eigener schriftstellerischer Tätigkeit fand der hl. Karl Borromäus keine Zeit. Doch sind in der Bibliotheca Ambrosiana in Mailand 300 Bände mit den Briefen gesammelt, die der hl. Karl Borromäus an Persönlichkeiten aller Schichten und Stände gerichtet hat.

Insgesamt also kein ganz geradliniger Weg, aber ein persönliches Zeugnis eines Kirchenmannes, der schon bald nach seinem Tode (1602) heilig gesprochen wurde. Sein Engagement zu Lebzeiten kann der katholischen Büchereiarbeit auch heute noch manche Anstöße geben.