Voraussetzungen für eine KÖB

Konzept

Für die erfolgreiche Arbeit einer Katholischen öffentlichen Bücherei ist es zunächst not­wendig, die Möglichkeiten Ihrer Pfarrgemeinde zu prüfen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Natürlich sind aber auch materielle Erfordernisse, wie Raum, Möbel, Bücher und sonstige Medien weitere wesentliche Voraussetzungen für eine funktionsfähige Bücherei. Aus diesen Überlegungen ergibt sich ein auf Ihre Pfarrgemeinde zugeschnittenes Konzept.

Erste Voraussetzung: Eine Bücherei für alle

In der Regel sollten in einer Katholischen öffentlichen Bücherei Bücher und sonstige Medien aller Sachgruppen und Themen sowie erzählende Literatur für Kinder und Erwachsene angeboten werden.

Bei begrenzten Mitteln oder in der Aufbauphase einer Bücherei ist eine vor­läufige Beschränkung des Angebots möglich. Bewährt hat sich in solchen Fäl­len beispielsweise ein auf die Bedürfnisse junger Familien abgestimmtes Kon­zept (Bilder- und Kinderbücher, Sachbücher mit eltern- und familienbezoge­nen Themen, erzählende Literatur für junge Erwachsene). Ist eine Zielgrup­pe in der Bücherei heimisch geworden, können andere Bereiche des Ange­bots ausgebaut werden.

Eine generelle Beschränkung des Konzepts auf eine “Arbeitsbücherei” für die Gruppen und Dienste der Pfarrgemeinde nimmt der Bücherei den öffentlichen Charakter und beraubt sie damit einer der wichtigsten Chancen katholischer Büchereiarbeit.

Zweite Voraussetzung: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Lebensoffene und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital einer Bücherei. Verschiedene Begabungen sind notwendig:

Teamgeist und Kontaktfreude, literarische Kenntnisse, Aufgeschlossenheit für die Fragen und Probleme der Zeit und gewisse organisatorische Fähigkeiten. Ideal ist, wenn sich im Büchereiteam Menschen mit unterschiedlichen Talenten zusammenfinden. Die Bereitschaft zur Aus- und Fortbildung sollte selbstverständlich sein. Büchereifachstellen und Borromäusverein bzw. Sankt Michaelsbund (für Bayern) bieten ein abgestuftes Programm der Ausbildung ehrenamtlicher und hauptamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, über das die zuständige Büchereifachstelle näher informiert.

Kulturell interessierte Menschen gibt es sicherlich in jeder Pfarrei. Nicht wenige Jugendliche und Erwachsene betrachten Büchereiarbeit als ein interessantes Tätigkeitsfeld für ihre Freizeit. Um sie für eine Mitarbeit in der Bücherei zu gewinnen, wendet man sich z.B. an Gruppen, die ein natürliches Interesse an der Leseerziehung haben (Eltern aus Kindergarten oder Grundschule, interessierte Leser). Warum nicht einmal unkonventionell werben - mit einem Stellenangebot für ehrenamtliche Mitarbeit in der Zeitung. Die Suche nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern muß ein Anliegen aller Verantwortlichen in der Pfarrei sein.

In jedem Fall gilt: Eine attraktive Bücherei und ein gutes Arbeitsklima im Büche­reiteam sind die überzeugendsten Argumente, um neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen.

Dritte Voraussetzung: Die Räume und Ausstattung

Das äußere Erscheinungsbild der Bücherei entscheidet wesentlich darüber, ob ein Benutzer ihre Angebote wahrnimmt.

Büchereien gehören, wenn irgend möglich, in das Gemeindezentrum. Sie helfen mit, solche Zentren mit Leben zu füllen. Um einladend zu wirken, müssen die Räume ausreichend groß und ansprechend gestaltet sein. Mit Rücksicht auf Kinder und gehbehinderte Menschen ist eine Unterbringung im Erdgeschoß unbedingt zu empfehlen. Ein Schaufenster sollte die Bücherei nach außen sichtbar machen. Auch an der Außenseite des Gebäudes muß auf die Bücherei hingewiesen werden (Schild mit Namen und Öffnungszeiten, eventuell Wegweiser).

Offene Regale, Leseplätze. besondere Möbel für Kinder, Flächen für Veranstaltungen und kleine Ausstellungen bzw. für die wechselnde Präsentation von Medien zu einzelnen Themen sind Elemente einer zeitgemäßen Büchereiausstattung. Sie sollten so beschaffen sein, daß die Bücherei zum Gespräch und zur Begegnung beiträgt.

Das erfordert eine ausreichende Grundfläche, die bei Bedarf auch einer weiteren büchereiverträglichen Nutzung (z.B. Gesprächskreise, nicht aber offene Jugendarbeit, Töpferkurse, Feste mit Verzehr oder ähnliches) dienen kann.

Die Planung und Einrichtung einer Bücherei sollte auf jeden Fall in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus der zuständigen Büchereifachstelle der Diözese bzw. dem Borromäusverein oder dem St. Michae!sbund erfolgen.

Vierte Voraussetzung: Der Bestand

Letztlich entscheidet das Angebot, ob eine Bücherei angenommen wird oder nicht. Für die Auswahl der Titel stehen jeder Bücherei die Dienste der Zen­tralstellen (Borromäusverein oder St. Michaelsbund) sowie der zuständigen Büchereifachstelle zur Verfügung. Grundlage dafür ist der zweimonatlich er­scheinende Besprechungsdienst “das neue Buch/Buchprofile“, in dem die wichtigsten Neuerscheinungen zu allen Themen und für alle Altersgruppen mit Blick auf ihre Eignung für Katholische öffentliche Büchereien begutachtet werden. Er wird durch thematische Empfehlungslisten ergänzt.

Bei Ausbildungskursen und Fortbildungsveranstaltungen bieten die Fachstellen und Zentralstellen Hilfe und Beratung sowie Gelegenheit zum Erfah­rungsaustausch an.

Jede Bücherei bietet vorwiegend Ausleihbestände an. Neben Büchern soll­ten bei ausgebauteren Beständen auch einige Zeitschriften laufend gehalten werden. Ein Grundbestand an Nachschlagewerken ist ebenfalls erforder­lich. Die Buch- und Zeitschriftenbestände sollten, den örtlichen Bedürfnissen und Zielsetzungen entsprechend, durch weitere Medien vervollständigt werden.

In jedem Fall gilt: Qualität vor Quantität. Die Aktualität und das zeitgemäße Angebot sind wichtiger als die Anzahl der Bücher und anderen Medien. Um die Bücherei attraktiv zu halten, müssen jedes Jahr Neuerwerbungen in ei­nem ausreichenden Verhältnis zum Gesamtbestand beschafft werden. Auf der anderen Seite ist es genauso wichtig, inhaltlich veraltete, nicht mehr genutzte oder zerlesene Bücher usw. auszusondern bzw. zu ersetzen. Für den Umfang des Bestandes ergeben sich in jeder Bücherei Ober- und Untergrenzen, die in sorgfältiger Überlegung mit der zuständigen Büchereifachstelle zu ermitteln sind.

Fünfte Voraussetzung: Die Finanzen

Büchereiarbeit ohne ausreichende und regelmäßige Finanzierung ist sinnlos und letztlich ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht zuzumuten. Darum braucht die Katholische öffentliche Bücherei einen soliden Finanzplan, der jährlich erstellt und vom Träger geprüft und beschlossen wird.

Den Großteil des Finanzbedarfs macht die regelmäßige Bestandserneuerung aus. Dabei ist eine Rate von 10% anzustreben, d.h. eine Bücherei mit 3.000 Medien sollte jedes Jahr 300 Titel neu anbieten. Davon muß ein erheblicher Teil von der Bücherei selbst angeschafft werden; zusätzlich können in einem gewissen Rahmen Austausch- und Ergänzungsbestände berücksichtigt werden. Neben geringen Betriebskosten (Porto, Telefon, Büchereimaterial usw.) sind unbedingt ausreichende Mittel für Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit und für die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzuplanen.

Die Bewirtschaftungs- und Instandhaltungskosten der Räume (Strom, Heizung, Reinigung, regelmäßige Renovierung) gehören nicht in den Finanzplan der Bücherei. Sie sind Bestandteil der entsprechenden Gesamtansätze der Kirchengemeinde.

Die Erst- und Neueinrichtung einer Bücherei erfordert neben den bereit­zustellenden Räumlichkeiten erhebliche Investitionskosten für die Möblierung (z.B. für Regale, Arbeits- und Leseplätze, Bilderbuchtrog, Beschilderung, Buchstützen und anderes Zubehör). Auch bei den laufenden Kosten müssen in größeren Abständen Einrichtungsergänzungen eingeplant werden, die nicht aus dem jährlichen Ansatz bestritten werden können.

Grundsätzlich ist eine ausreichende und regelmäßige Finanzierung der Bücherei durch ihren Träger (in der Regel die Kirchengemeinde) notwendig. Mit einigem Geschick lassen sich zusätzliche Geldquellen erschließen: KoIlekten, Spenden, “Quote” des Borromäusvereins, zweckgebundene Zu­schüsse örtlicher Sparkassen und Fördervereine.

Die Ausleihe ist in der Katholischen öffentlichen Bücherei gebührenfrei. Dieses wichtige Prinzip öffentlicher Büchereiarbeit sollte nicht leichtfertig aufgegeben werden. Nur so erreicht die Bücherei eine möglichst große Breitenwirkung und kann z.B. verstärkt Leseförderung für Kinder und Jugendliche betreiben. Sinnvoll sind dagegen Mahngebühren im Falle einer Überschrei­tung der Leihfrist. In besonderen Fällen kann auch erwogen werden, eine Pauschalgebühr für spezielle Dienstleistungen (z.B. schriftliche Benachrich­tigungen) zu erheben.

Vielerorts wird der Beitrag kirchlicher Büchereien zur öffentlichen Literaturversorgung durch Kommunen und Kreise gefördert. Landesmittel werden ge­gebenenfalls durch die zuständige Büchereifachstelle vermittelt. Die Förderung der Büchereiarbeit durch die Diözese wird durch das jeweilige Bistum geregelt.