Glänzende Aussichten

Erst ganz am Ende dieses Romans ergeben sich für die Protagonistin glänzende Aussichten. Dann nämlich findet Pia, die von dem einzigen Freund, den sie bisher hatte, nur schamlos ausgenutzt und gedemütigt wurde, ihre große Liebe Glänzende Aussichten und auch ihr berufliches Schicksal wendet sich zum Guten. Pia ist die Tochter eines Tankstellenbesitzers. Nach dessen Tod führt sie die kleine, völlig unrentable Tankstelle weiter, obwohl von verschiedenen Seiten gedrängt, endlich an eine interessierte Baugesellschaft zu verkaufen. Sogar ihre vermeintlich beste Freundin Luisa, schlägt sich am Ende auf die Seite ihrer Gegner, indem sie sich mit dem ehemaligen Freund Pias verbündet. Der aus der Sicht Pias und in deren schlichter Sprache erzählte Roman schildert eindrucksvoll die Alltagsrealität und lebt überdies stark von der gegensätzlichen Konstellation dieser beiden Frauen, die psychisch geradezu aufeinander angewiesen sind. Luisa, eine äußerst attraktive, aber trotz ihrer Liebschaften unglückliche Frau im mittleren Alter, missbraucht Pia geradezu als Klagemauer, immer wenn sie sich selbst in Beziehungs-Schwierigkeiten gebracht hat. Dieses beinahe symbiotische Abhängigkeitsverhältnis der beiden Frauen wird psychologisch sehr überzeugend gestaltet, ebenso die Willfährigkeit, ja Hörigkeit Pias ihrem dreisten Liebhaber gegenüber, aus der sich Pia erst am Ende befreien kann. Das realitätsgesättigte, unspektakuläre Erzählen der Schweizer Autorin, die selbst einmal als Tankstellenbesitzerin gearbeitet hat, beeindruckt. Empfehlenswert.

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Glänzende Aussichten

Glänzende Aussichten

Margrit Schriber
Nagel & Kimche (2018)

173 S.
fest geb.

MedienNr.: 879785
ISBN 978-3-312-01062-2
9783312010622
ca. 19,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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