Sein blutiges Projekt

Geschildert wird vordergründig die Geschichte eines dreifachen Mordes und die anschließende Gerichtsverhandlung im ländlichen Schottland des späten 19. Jh. Daneben und dahinter liefert der Roman ein bäuerlich-dörfliches Sittengemälde Sein blutiges Projekt sowie eine sich aus zahlreichen Einzelstimmen zusammensetzende Collage, die den Charakter des Täters und sein Tatmotiv ausloten will. Ist der jugendliche Roderick Macrae ein anständiger Zeitgenosse, wie die einen sagen? Ist er talentiert und hätte er bei seiner Intelligenz eine weiterführende Schule besuchen sollen, wie der Lehrer meint? Oder ist er verschlossen, stoffelig und im Grunde ein Außenseiter, wie missmutige Nachbarn meinen? Und schließlich: Kann es sein, dass seine Tat die Reaktion auf die Schikanen war, mit denen der örtliche Vertreter des Gutsherrn Macraes Vater unter Druck gesetzt hatte? Die Suche nach der Wahrheit gestaltet sich kompliziert und man mag darüber nachdenken, ob es im vorliegenden Fall überhaupt eine eindeutige Wahrheit geben kann. Nicht nur inhaltlich, auch textlich weist der Roman einige Besonderheiten auf: Der erste Teil besteht aus den Aufzeichnungen des inhaftierten Macrae. Im zweiten Teil begleitet man einen Anwalt und einen Mediziner, der erste Gehversuche auf dem Feld der Psychopathologie unternimmt, bei ihren Untersuchungen. Abschließend folgt eine quasi journalistische Darstellung des Mordprozesses. All das ist eingebettet in eine fiktionale Rahmenhandlung, bei der der Autor Graeme Macrae Burnet vorgibt, er präsentiere den Mordfall als Resultat einer familiengeschichtlichen Recherche. - Angenehm vielschichtiger, historischer Kriminalroman für alle Bestände. (Übers.: Claudia Feldmann)

Thomas Völkner

Thomas Völkner

rezensiert für den Borromäusverein.

Sein blutiges Projekt

Sein blutiges Projekt

hrsg. von Graeme Macrae Burnet
Europa-Verl. (2017)

343 S.
kt.

MedienNr.: 588088
ISBN 978-3-95890-055-4
9783958900554
ca. 17,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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