Lieber Feind

Sallie stammt aus gutem Haus und hat sich mit ihrem vorhersehbaren Lebenslauf arrangiert. Doch dann wird sie mit der Aufgabe konfrontiert, ein Waisenhaus zu leiten. Sie wächst mit dieser Aufgabe und berichtet in Briefen, hauptsächlich Lieber Feind an ihre Freundin, wie ihr die Kinder ans Herz wachsen und wie sie die zunächst haarsträubenden Zustände des Heimes verwandelt. Dass dabei ihre Verlobung platzt, stört sie am Ende kaum, da sie sich in ihren "lieben Feind" verliebt, den Hausarzt des Heimes. Die Naivität Sallies wirkt durchaus authentisch und lässt beim Lesen oft schmunzeln, da vorhersehbar ist, wie Sallie ihre anerzogenen Konventionen ablegen und warmherzig zum Wohl der Kinder agieren wird. Gedanken zum Thema Eugenik sind zunächst irritierend, entsprechen aber durchaus dem Gedankengut im beginnenden 20. Jh., wie die Autorin im Nachwort erklär, dazu deren wissenschaftliche Widerlegung. Unterhaltsam und nachdenkenswert für Leser, die den altmodischen Schreibstil einzuordnen wissen und unbedingt das Nachwort lesen. (Übers.: Ingo Herzke)

Lotte Schüler

Lotte Schüler

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Lieber Feind

Lieber Feind

Jean Webster
Königskinder (2018)

412 S.
fest geb.

MedienNr.: 592384
ISBN 978-3-551-56045-2
9783551560452
ca. 18,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: J
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