Nackt über Berlin

Sie sind beide Außenseiter an ihrer Berliner Schule, der etwas dickliche 16-jährige Jannik, begeistert von klassischer Musik, und der umwerfend aussehende 17-jährige Tai, der vietnamesische Wurzeln hat und alles und jeden mit seinem Nackt über Berlin Camcorder aufnimmt. Jannik ist heimlich in Tai verliebt, weiß aber noch nicht, ob er nun schwul ist oder nicht. Deshalb folgt er Tais nächtlichem Anruf, ihn an der Spree zu treffen, wo er ihren nicht gerade beliebten und sturzbetrunkenen Schuldirektor Jens Lamprecht filmt. Sie bringen ihn in seine Wohnung im 25.Stock eines ultramodernen Hochhauses - und sperren ihn dort ein. Tai kappt ihm nach und nach alle Verbindungen zur Außenwelt, auch Strom und Wasser, nimmt nur ab und zu über dessen Laptop Verbindung zu ihm auf: er setzt ihn einem Seelenstriptease aus, damit er die Wahrheit über den Selbstmord einer Mitschülerin gesteht. Jannik ist über Tais Pläne beunruhigt, kann sich aber erst zum Handeln durchringen, als es fast zu spät ist. - Ernsthaft und doch mit lakonischem Humor erzählen abwechselnd Jannik selbst und Lamprecht in der dritten Person diese Geschichte voller überraschender Wendungen und Emotionen in manchmal liebevoll-schlüpfriger Sprache, die aber zu Jannik und Tai passt. Der mal lachende, mal schockierte Leser wird in eine spannende Geschichte hineingezogen, die er nicht aus der Hand legen kann. Ab 15 Jahren und für Erwachsene sehr zu empfehlen.

Gudrun Eckl

Gudrun Eckl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Nackt über Berlin

Nackt über Berlin

Axel Ranisch
Ullstein fünf (2018)

382 S.
fest geb.

MedienNr.: 879003
ISBN 978-3-96101-013-4
9783961010134
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: J
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