Gott ist nicht schüchtern

Hammoudi hat in Paris Medizin studiert und eine Stelle als Gesichtschirurg in Aussicht. Er muss nur kurz zurück nach Syrien, um seinen Pass zu verlängern. Doch dort wird ihm die Wiederausreise verweigert. In Damaskus gerät er in Gott ist nicht schüchtern eine Demonstration, die den Sturz des Regimes fordert. Als er kurz darauf die gefolterten Demonstranten sieht, die im Krankenhaus nicht mehr behandelt werden dürfen, richtet er mit anderen ein Untergrundhospital ein. In lakonischer Sprache (und nur so ist es erträglich) wird aufgezählt, wie ein Strom von Verletzten über Hammoudis primitiven Operationstisch geht. Dann gerät er selbst ins Visier des Daesh (Abkürzung für "Islamischer Staat im Irak und der Levante") und muss fliehen. - Parallel dazu wird das Schicksal der Schauspielerin Amal geschildert, einer Tochter aus wohlhabendem Hause, die für Reformen im Land demonstriert. Der Einfluss ihres Vaters kann zwar zunächst verhindern, dass sie auf Fahndungslisten gerät, doch auch sie muss das Land verlassen. In Berlin begegnen sich die beiden schließlich ... - Olga Grjasnowa (Jg. 1984) ist mit einem Syrer verheiratet und ihre Familie hat selbst auch Fluchterfahrungen gemacht. In kurzen Kapiteln erzählt sie abwechselnd von Hammoudi und Amal und macht den Zerfall der syrischen Gesellschaft anhand von zwei privilegierter Familien sichtbar. Ihre Figurenzeichnung gerät dabei allerdings etwas blass. Dennoch als exemplarischer aktueller Fluchtroman breit einsetzbar.

Karin Blank

Karin Blank

rezensiert für den Borromäusverein.

Gott ist nicht schüchtern

Gott ist nicht schüchtern

Olga Grjasnowa
Aufbau (2017)

309 S. : Kt.
fest geb.

MedienNr.: 589419
ISBN 978-3-351-03665-2
9783351036652
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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