Kleine große Schritte

Die Afroamerikanerin Ruth arbeitet als eine der besten und erfahrensten Hebammen in einem Hospital in Connecticut. Eines Tages wird ihr untersagt, einen Säugling weiter zu betreuen. Die rechtsradikal eingestellten Eltern des Kindes Kleine große Schritte bestehen darauf. Es kommt zu einer Notsituation, in der Ruth zunächst zögert, dann aber das Kind versorgt - zu spät, es stirbt. Ruth wird angeklagt, seinen Tod verursacht zu haben. Bei ihrer Verteidigung versucht ihre Anwältin, den Aspekt des "Rassismus" auszuklammern. Zunehmend aber wird klar, dass es genau darum geht. Das Buch beschreibt, was es heißt, als Afroamerikanerin in einer für Weiße privilegierten Welt zu leben. Es beschreibt die Ereignisse aus der Sicht von Ruth, aber auch aus der des klagenden Vaters und der zunehmend engagierten Anwältin. Trotz großer Zweifel kämpfen sie einen scheinbar aussichtslosen Kampf. Am Schluss gewinnt nicht nur Ruth. Ihr Mut, auf ihrem Weg zu bleiben, bewirkt am Ende Erkenntnisse bei den Beteiligten - nicht zuletzt bei den Lesern - und zeigt: Rassismus ist nicht nur ein Vorurteil. Es geht um viel mehr, um Macht nämlich, darum, dass schon der gewöhnliche Alltagsrassismus dazu führt, dass Farbige benachteiligt werden. Das spannend und sensibel geschriebene Buch greift damit ein für die USA und darüber hinaus hoch aktuelles Thema auf und macht die Mechanismen des alltäglichen Rassismus sichtbar. In jedem Fall fordert der Roman auf, genauer hinzusehen, auch hierzulande. Lesenswert! (Übers.: Elfriede Peschel)

Christiane Raeder

Christiane Raeder

rezensiert für den Borromäusverein.

Kleine große Schritte

Kleine große Schritte

Jodi Picoult
Bertelsmann (2017)

591 S.
fest geb.

MedienNr.: 590002
ISBN 978-3-570-10237-4
9783570102374
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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