Matterhorn

Vietnam, 1969: US-Marine Waino Mellas kommt nach Vietnam, wird dort Zugführer in der Bravo-Kompanie und erhält den Befehl, mit seinen Männern eine Berg-Kuppe nahe der Grenze zu Laos zu einer Artilleriestellung auszubauen. Hier, Matterhorn am sog. "Matterhorn", entscheidet der 19-jährige frisch von der Offiziersschule gekommene Second Lieutenant mit über Leben oder Tod von 40 Soldaten. Den jungen Kriegsdienstleistenden stehen die "lebenslangen" Berufs-Offiziere gegenüber, die schon im Zweiten Weltkrieg und in Korea gekämpft haben - und die nur an ihre eigene Karriere denken und ihre Truppen ohne Rücksicht auf das Leben der Männer in strategisch haarsträubende Gefechte schicken. Neben der ständigen Angst, bei einer Konfrontation mit dem Feind getötet zu werden, lauern im vietnamesischen Dschungel auch noch viele andere Gefahren, wie etwa Blutegel, Malaria oder Durchfall. Auch Black-Power-indoktrinierte radikale schwarze Marines bringen Unruhe in die Kompanie, und Mellas hat große Probleme, seine Leute zusammenzuhalten. Die Bravo-Kompanie schafft es trotz aller unglaublichen Strapazen bis zum "Matterhorn" und es gelingt ihnen, den Gipfel zu befestigen. Aufgrund anderer Prioritäten erhalten sie jedoch unmittelbar darauf den Befehl, den Berg wieder aufzugeben und die Nachschublinien der nordvietnamesischen Armee zu unterbrechen. Nach einigen Wochen in ständiger Alarm- und Gefechtsbereitschaft erhält die Bravo-Kompanie schließlich den wahnwitzigen Befehl, den von ihnen selbst mit Bunkern bestückten und entlaubten Matterhorn-Gipfel, mittlerweile von der Nordvietnamesischen Armee besetzt, wieder zurückzuerobern. - Vietnam-Veteran Karl Marlantes hat mit "Matterhorn" einen herausragenden Kriegsroman geschrieben. Brillant, wie er das Erleben der Ex-Kameraden aus unmittelbar geschilderter soldatischer Erfahrung heraus exakt dokumentiert und dabei den Leser aus unterschiedlichen Perspektiven an deren Entscheidungen teilhaben lässt. Einfühlsam, wie er die Kluft zwischen Schwarzen und Weißen, die auch im Miteinander unter härtesten Kriegsbedingungen immer spürbar ist, begreifbar macht. Auch der Versuch, die unter extremsten militärischen Lebens- und Kampfbedingungen noch vorhandenen Bemühungen um die Grundbedingungen des Menschseins zu vermitteln und sich das eigene Erleben von der Seele zu schreiben, ist dem Autor glänzend und ohne jedes Pathos gelungen. Ein schockierendes, unter die Haut gehendes, aber auch stilistisch höchst eindrucksvolles Buch. Sehr empfehlenswert. (Übers.: Nikolaus Stingl)

Günther Freund

Günther Freund

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Matterhorn

Matterhorn

Karl Marlantes
Arche (2012)

669 S. : Kt.
fest geb.

MedienNr.: 367960
ISBN 978-3-7160-2662-5
9783716026625
ca. 24,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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