Achtzehn Pasteten

Bereits der Titel, dem dritten Teil des Bandes entnommen, klingt unkonventionell: er bezieht sich auf ein opulentes Fest, wo 18 Pasteten - so viele wie die Ehejahre der Jubilare - aufgetischt werden. Aus Name und Inhalt jener kulinarischen Achtzehn Pasteten Genüsse spinnt der Lyriker Assoziationen und gießt sie in formal strenge Gedichte, deren Inhalte von Schafsherde bis Quitte einen weiten, zuweilen humorvollen Bogen spannen. Auch die anderen drei Abschnitte des Buches weisen klassische Formen auf, wie Sonett oder Elegie; Rhythmen und Reimschemata zollen der Tradition Tribut und doch handelt es sich um moderne (genauer gesagt: um post-moderne) Lyrik, die kanonische Formen und Themen nicht fürchtet und dennoch sich auch nicht scheut, Altbekanntes zu zitieren und zugleich zu durchbrechen, beispielsweise durch unerwartete Assonanzen, Zäsuren, Binnen- und unreine Reime. Inhaltlich weist der erste Teil eine Reihe von historischen Ereignissen oder unerhörten Begebenheiten auf, die über den Plot hinaus überraschende Bilder und Erinnerungen im Kopf des Lesers hervorrufen. Auch der zweite Abschnitt beinhaltet kleine Erzählungen von Gesehenem oder Erlebtem, von Litauen bis Hollywood. Der vierte Teil, ein Bestiarium, zeugt vom Verschwinden von Tierarten - Grausamkeit wird nicht direkt angeprangert und dennoch lässt sie sich subtil zwischen den Zeilen spüren. - Sicherlich verlangt diese Lyrik eines "poeta doctus" gespickt mit Zitaten und Anspielungen (einige davon in Anmerkungen erklärt) umfangreiche Kenntnisse des Lesers, der aber v.a. Neugierde und Lust aufbringen sollte, sich dem sprachlichen und assoziativen Sog hingeben zu wollen.

Luísa Costa Hölzl

Luísa Costa Hölzl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Achtzehn Pasteten

Achtzehn Pasteten

Jan Wagner
Berlin-Verl. (2007)

84 S.
fest geb.

MedienNr.: 556159
ISBN 978-3-8270-0721-6
9783827007216
ca. 16,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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